Ich erinnere mich noch an die nassen Hände und das nervöse Kichern. Wie seltsam ihr zu sagen, dass hier, über dreitausend Kilometer von zu Hause entfernt, eines der größten Abenteuer ihres Lebens warten könnte.
So viel ist passiert, seitdem „die neue Praktikantin“ mit ihren zwei braunen geflochtenen Zöpfchen aus dem Bus gepurzelt ist. Damals hätte ich „die Kleine“ fast verpasst, die noch winter-blass und völlig aufgeregt war.

Ein neues Zuhause, rund dreihundert neue Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt und ungefähr doppelt so viele Gäste, die sie strahlen sehen wollten.
„Es wird nicht immer leicht sein. Eigentlich wird es sogar sehr oft sehr herausfordernd werden…“ Hatte ich ihr am ersten Abend gesagt, „doch am Ende wirst du keinen Moment bereuen. Hier ist jetzt dein Zuhause. Erwarte Großes von dir. Wenn du offen bist, wirst du über dich hinaus wachsen.“
So begann die erste Woche, die voll war von neuen Gesichtern, Schulungen und Eindrücken. Bald darauf sah „die Kleine“ mit strahlenden Augen ihre erste Show. Ich ahnte, dass sie da unten auf der Bühne sein wollte und schon bald eine der ganz Großen werden konnte. Die Wochen vergingen zu Monaten, ohne dass wir es wirklich merkten. Nur ihre Uniform saß immer besser und bald war ihre Haut brauner, als meine. Der Strand und das Meer wurden neben der großen Showbühne ihr zweites Zuhause.


Wir nahmen als Spa Rezeptionsteam an so ziemlich allen Challenges teil, die wir finden konnten. Nur so zum Spaß, nicht um zu gewinnen. Es ging um Ruhm und Ehre. Nein, das ist nicht ganz richtig. Es ging darum, dass wir es als Team gemeinsam machten. Team „Schnellste Wünscherfüller“, Team „Beste Schnitzeljagd“. Team Jenny und Bianca. Es gibt nichts, was nicht irgendwie möglich ist. Der Weg beginnt genau dann, wenn man beginnt los zu laufen.


Heute ist Jenny eine Spa- Rezeptionistin, nicht nur eine Praktikantin, deren Name auf einem Personalbogen steht. Irgendwie ist sie erwachsen geworden, ruhiger und willensstarker und freier. Das Schönste dabei ist aber, dass sie all ihre wunderbaren Facetten beibehalten hat. Ihr echtes Lachen, dass die Menschen um sie herum anstecken oder die Klarheit, mit der sie Bedenken beim Namen nennt. Ihre Zeit endet bald und dass, obwohl sie doch gerade erst begonnen hat. Doch bei Robinson laufen die Uhren anders.
Du hast mich gefragt, was mich in meiner Abteilung am meisten glücklich oder stolz macht. Die Antwort lag in diesem Moment ganz nah.

Liebe Jenny, dieser Blog ist für dich. Du bist mein erstes Patenkind, ich deine erste Patin. Ich bin stolz auf dich. Das ist alles, worum es hier geht. Stolz auf die Weise, in der du dich entwickelt hast ohne jemals zu meckern oder zu fluchen. Es war eben dein Weg, von Anfang an. Deine Spuren bleiben, auch wenn das Meer sie längst gefressen hat. Aber wer weiß, vielleicht hinterlässt du irgendwo, in einem anderen Club bald eine Neue. Dann, wenn irgendwo am Horizont wieder ein Neuer, erster, aufregender Tag beginnt. Ich wünsche dir dabei alles Glück der Welt.
Deine Bianca
